Mirovni tim Okucani
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Friedensdienst im Centar za mir, nenasilje i
ljudska prava Osijek- Mirovni tim Okucani

Zentrum für Frieden, Gewaltfreiheit und
Menschenrechte Osijek-Friedensteam Okucani
(von Tina Gsertz)

Seit 1993 organisiert der Verein Österreichische Friedensdienste (ÖFD) freiwillige und unentgeltliche Friedensdienste mit dem Ziel, am Aufbau einer internationalen zivilen Friedensarbeit mitzuwirken. Schwerpunktregion ist das ehemalige Jugoslawien. Junge Frauen und Männer arbeiten 6-14 Monate in Wiederaufbau, Bildungs-u. interethnische Kulturprojekten, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, Frauenorganisationen, sowie in der Flüchtlingsbetreuung. (mehr unter www.oefd.at). Als solch Friedensdienerin bin ich nun im "Centar za mir" und arbeite und lebe seit Anfang Oktober in Okucani.

Okucani ist ein Ort mit ca. 4000 EinwohnerInnen in Westslawonien (Kroatien) nahe an der Grenze zu Bosnien. In dieser kleinen Gemeinde gibt es einen Park im Zentrum, eine Volks- und Mittelschule, ein Gemeindehaus, Lebensmittelläden, ein paar Wirtshäuser und eine grosse neue katholische Kirche, die am 1.12. eröffnet wurde und daneben eine kleine serbisch orthoxe.
Die Spuren des Krieges sind in Okucani nicht zu übersehen. Das Nachbarhaus vom "Centar za mir" ist das, durch eine Granate zerstörte, serbische Pfarrhaus. Vor allem in den Nachbardörfern von Okucani gibt es noch viele zerstörte und beschädigte Hauser, über die schon Gras und Bäume wachsen. Einige Felder und Flächen sind noch vermint.

Der Krieg begann in Okucani 1991 als Serben diese Region besetzten. Zu dieser Zeit betrug der Anteil der kroatischen BewohnerInnen 10% und der der serbischen 90%. KroatInnen gehören der römisch katholischen Religion und SerbInnen der serbisch orthodoxen Religion an. Beide Gruppen aber leben/lebten schon seit dem 16.Jh. in dieser Region und das Zusammenleben gestaltete sich mehr oder weniger friedlich. Es gibt viele Mischehen und - Verwandtschaft. Als Okucani von Serben besetzt wurde, flüchteten viele Kroaten. Am 1. Mai 1995 fand die kroatische Rückeroberung des serbisch kontrollierten Gebietes in Westslawonien statt ("Aktion Blitz"). Der Grossteil der serbischen Bevölkerung in Okucani flüchtete oder wurde vertrieben. Nach und nach kamen die KroatInnen nach Okucani zurück, nur wenige SerbInnen kehrten zurück. Nach dem Krieg gab es viele leerstehende Häuser serbischer BewohnerInnen. Diese wurden ImmigrantInnen, KroatInnen aus Bosnien, der Vojvodina (Serbien) od. anderen Teilen Ex-Yugoslawiens, von der Regierung zugeteilt. Probleme gab es, wenn die ursprünglichen BesitzerInnen der Häuser zurückkamen, da nicht klar war, wer nun rechtsmäßige/r BesitzerIn des Hauses ist.
Zur Zeit leben in Okucani KroatInnen, SerbInnen, RückkehrerInnen und kroat. Immigranten, deren Anteil ca. 70% beträgt. Menschen mit verschiedener ethnischer Zugehörigkeit, Religion und Nationalität leben hier eher nebeneinander als miteinander. Die Arbeitslosenrate beträgt ca. 50% und diese Menschen leben von Sozialhilfe. Das wirkt sich natürlich auf das Leben in der Gemeinde aus, viele Menschen sind mit iherer Situation unzufrieden und teilweise ist Lethargie spürbar. Immer wieder gibt es Konflikte zwischen "Einheimischen" und Flüchtlingen.

Das "Centar za mir" arbeitet vor allem am Aufbau des sozialen Lebens und der Gemeinschaft in Okucani. Daneben werden Menschen auch auf individueller Ebene unterstützt (z.B. durch Gespräche, durch zuhören). Das Zentrum ist offen für alle Menschen egal welcher ethnischen, religiösen oder nationalen Herkunft oder Zugehörigkeit. Nach dem Krieg ist materieller und sozialer Wiederaufbau notwendig. Im Krieg sehen und erleben die Menschen viele Grausamkeiten und Brutalitäten. Der Umgang mit diesen traumatischen Erlebnisse ist schwierig und die Aufarbeitung ein langer Prozess. Besonders aufgefallen ist mir das gegenseitige Misstrauen der Menschen hier in Okucani. Durch den Krieg wurden Freunde zu Feinden, von Menschen, denen man vertraute, wurde man enttäuscht. Viele Flüchtlinge (ca.70% der Bevölkerung) sind nach Okucani gezogen, haben neue Sitten und Bräuche eingeführt, sie kommen aus Bosnien, sind anders und man kennt sie nicht. Es dauert lange bis dieses Misstrauen kleiner wird und das Vertrauen wächst.
Durch verschiedene Aktivitäten, Seminare, Workshops soll das Zusammenleben der Menschen in Okucani gefördert werden.
Eine Gruppe von Kriegsveteranen wird betreut und trifft sich regelmäßig. Sie werden bei der Aufarbeitung ihrer Kriegstraumen unterstützt, weitere Themen sind Selbsthilfe, Friedensbildung und Gewaltfreiheit. Es wird auch mit den Frauen und Kindern der Kriegsveteranen gearbeitet.
Durch das "Listening Project" (Aktivierende Befragung) wurde versucht mehr über die Situation der Menschen in Okucani zu erfahren. Die BewohnerInnen wurden besucht und über ihrer Probleme, Sorgen und Zukunftswünsche interviewt. Das war einerseits ein Sprachrohr für die Menschen, als auch eine Art Bedarfserhebung für diese Region, nach der sich die Aktivitäten des "Centar za mir" richten. Durchgeführt wurden die Gespräche von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Von diesen Voluntärinnen gibt es eine Gruppe von Frauen, die weiterhin etwas für die BewohenerInnen von Okucani machen wollen. Zur Zeit organisieren wir kreative Workshops für die Frauen von Okucani z.B. Adventkränze flechten, Crème aus Aloe Vera,…Weiter Aktivitäten sind in Planung.
Das "Forum mladih" ist ein Team von Jugendlichen, das Aktivitäten für die Jugendlichen von Okucani plant. Dieses Team wird vom Centar za Mir unterstützt. Wichtig ist, dass dieses Team multi-ethnisch und multi-konfessionell ist. Im Sommer hat es ein Jugendcamp gegeben, wo sich Jugendliche aus Okucani und aus verschiedenen Teilen Ex-Jugoslawiens getroffen haben und gmeinsam zu Themen wie gewaltfreie Kommunikation, Demokratie, Gemeinwesenarbeit und Friedensbildung gearbeitet haben.
Ein neues Projekt ist Schulmediation in der Schule in Okucani. Mediation heißt Vermittlung zwischen Parteien in Konflikten durch zwei neutrale VermittlerInnen . Dabei geht es darum, dass Kinder lernen in Konflikten zu vermitteln und Mediation durchzuführen. Das "Centar za mir" unterstützt die Kinder und LehrerInnen dabei.
Weiters gibt es noch die Arbeit mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Das Friedenszentrum bemüht sich eine Kommunikationsebene für die VertreterInnen und Gläubigen der adventistischen, serbisch orthodoxen und katholischen Kirche. Durch den Dialog (Diskussionen, öffentliche Veranstaltungen und Gespräche, Seminare) sollen Verbindungen zwischen den drei Religionen geschaffen werden.

Wichtig für meinen Friedensdienst hier in Okucani ist mir, dass ich mit den Menschen rede, ihnen zuhöre, sie motiviere und in ihren Aufgaben bestärke und dass ich einfach für sechs Monate mit ihnen leben

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